Der Hund trägt Gummistiefel

Fotografin und Straßenhund finden sich

Tanja Van Lonsperch Van Lonsperch's Blog 6 Comments

Wie sich der Straßenhund und die Fotografin fanden

 

Einige von euch wissen ja, dass ich einen kleinen schwarzen Straßenhund zu Hause habe, den Pepe-Hund. Ich erzähle euch jetzt, wie Pepe in mein Leben trat:

 

Wie ich Pepe in der Tötungsstation entdeckte

Das war ganz einfach, aber doch kompliziert. 😀 Marlin, eine befreundete Fotografin, erzählte mir von ihrem Dogo Canario-Mix, den sie aus einer Tötungsstation in Ungarn holen werde. Ich wusste zwar vom Straßenhunde-Problem in einigen europäischen Ländern, aber wie das genau aussah, davon hatte ich keinen Schimmer. Also begann ich zu recherchieren und ich nehme als Beispiel in diesem Text das Land Ungarn.

 

 

Warum gibt es in Ungarn so viele Straßenhunde? Weil sich niemand verantwortlich fühlt. Niemand kastriert die Hunde, somit vermehren sie sich wild. Die Hunde leben auf der Straße, gebären ihre Jungen in Erdlöchern oder direkt am Straßenrand einer Schnellstraße, was oft zur Folge hat, dass die kleinen Welpen auf die Straße tapsen und überfahren werden. Die Tiere werden geschlagen, verwundet, misshandelt, sie werden wie Ungeziefer behandelt, da sie die Mülltonnen durchforsten und grundsätzlich durch ihre Anwesenheit „lästig“ sind.
Teilweise werden sie einfach getötet. So wie es meine Nachbarin früher mit unseren Katzenbabies getan hat. Sie hat sie einfach lebend beim Klo runter gespült. Sie hat es uns später erzählt, als wir Kinder die Kleinen suchten. Manche Tiere in Ungarn haben das Glück und kommen in eine Tötungsstation.

Tötungsstation – was ist das? Diese Bezeichnung klingt grundsätzlich negativ und ja, es passiert dort auch das, was der Name schon prophezeit. Allerdings gibt es in Österreich, Deutschland etc. einige Privatpersonen Und Tierschutz-Vereine, die mit einer solchen Tötungsstation eine ehrenamtliche Kooperation eingehen. Tierschützer. Diese Tierschützer also sorgen dafür, dass die Tiere aus den Tötungs-Stationen ein Zuhause finden können! Sie sammeln Sach- und Geldspenden in Österreich und bringen sie den Hunden.
Von warmen Decken über Leintücher, Hundekörbe aus Plastik, Hundefutter und alles, was die Hunde ein wenig länger überleben lässt wird dort gebraucht. Weiters suchen diese Tierschützer nach liebevollen Fixplätzen für die Hunde in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Sie fahren direkt zu den Interessenten nach Hause und vergewissern sich, dass es der Hund dort gut haben wird. Wenn alles passt, wird der Hund tierärztlich komplett durchgecheckt, erhält alle notwendigen Impfungen und einen EU-Reisepass und raus geht’s aus dem Drecksloch und rein ins glückliche Leben. 🙂 Weiter mit Pepe und mir:

Schwarzer Hund

 

Pepe muss “weg”!

Marlin erzählte mir also von ihrem Hund und – und das war ein Schlüsselmoment – sie zeigte mir Bilder. 😀 Ihr großer Dogo Canario ist ein riiiesen Hundegerät und auf einem dieser Bilder entdeckte ich ein kleines kohlschwarzes Wollknäuel mit Augen. Es stand aufrecht unter diesem Riesen, der Kleine musste nichtmal den Kopf einziehen. 😀 Er war schon ein halbes Jahr in der Tötung und wenn ihn niemand will, muss er bald weg, weil er von den Hunden bereits am längsten dort untergebracht ist. Was „weg“ bedeutet, könnt ihr schon vermuten.

 

Marlin zeigte mir die Seite des Vereins und das Album des kleinen Schwarzen. Pepe heißt er also, das entnahm ich dem Album.
Und das war seine Beschreibung:
26.11.2013: Pepe – Kleiner Chef: Pepe wurde in Eger bei einer Tankstelle gefunden. Obwohl er ziemlich klein ist, hat er eine „Führungspersönlichkeit“ 😉
Wie sehr das mit der „Führungspersönlichkeit“ stimmte, wurde mir erst Monate später bewusst. 😀
Für mich war zu diesem Zeitpunkt jedenfalls klar: Für einen Hund habe ich weder Zeit noch Platz. Dennoch fühlte ich mich auf eine Weise, die ich nicht zu erklären vermochte, verantwortlich für den kleinen Mann. Es war mir, als teilten wir eine tiefe Verbundenheit, eine Form stillen Verständnisses.
Ich beschloss, in das Schicksal des Hundes einzugreifen.

Die Entscheidung – Pepe kommt nach Graz!

Mein damaliger Freund war nicht dafür, aber er versprach mir, mich beim Projekt Pepe-kommt-nach-Österreich zu unterstützen. Das genügte mir absolut und gab mir das nötige Rückgrat. Im Büro traf meine Botschaft auf erfreute Erwartungen und unterstützend wirkte sogar mein damaliger Chef ein, den ich nach wie vor für seine Menschlichkeit sehr schätze. Ein Büround? Ja, warum denn eigentlich nicht!?
Ich hielt langen Schriftverkehr mit dem Verein, sie prüften mich, ich prüfte sie. Ich überlegte viel, schlief schlecht, hatte Pepes Schneefoto als Desktophintergrund und schließlich erwischte ich mich dabei, wie ich einen Schutzvertrag unterschrieb. 😉 Na sowas!

 

Kleiner Hund auf großer Reise

Pepe fuhr am Beifahrersitz neben der Leiterin des Vereins nach Österreich und er gab einen würdigen Beifahrer ab. Am Rücksitz war alles voller Hunde und die Fahrt dauerte 12 Stunden. Abfahrt: Eger , das ist noch “hinter” Budapest. Zwischenstop: Baden bei Wien. Ankunft: Graz.
Am Rücksitz war alles voller Hunde und Pepe gab einen würdigen Beifahrer ab. In der Nähe von Wien trafen wir uns zur Übergabe im Haus einer Dame, die ebenso einen Hund an diesem Tag adoptierte. Als Pepe sich neben mich setzte, seine Schnauze auf meinen Schoß legte und mich von unten herauf anhimmelte, sahen wir uns zum ersten Mal direkt in die Augen. Sein Blick war ängstlich, doch auch kraftvoll und ruhig. Wir fuhren nach Hause.

 

 

Und jetzt?

Das war nur der Anfang eines sehr langen und aufregenden Abenteuers. Durch Pepe bin ich ein ganz anderer Mensch geworden. Seine mitgebrachten Ängste zwangen mich, ruhiger und achtsamer zu werden, bewusster im Lesen von Mensch und Hund, bestimmter in meinem Auftreten und ich lernte, meine Entscheidungen klug und nachhaltig zu treffen. Im Spiegelbild seines Blickes ist es mir möglich, mein eigenes Leben zu reflektieren, meine Werte und Prioritäten in Frage zu stellen und meine Zeit nur mehr Menschen und Situationen zu schenken, die für mich und Pepe bereichernd sind.

Und alle gingen glücklich dem Sonnenuntergang entgegen… 🙂



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